Gesundes und krankes Gehirn bei Alzheimer © dpaLupe
Die Alzheimer-typsischen Veränderungen des Gehirns könnten angeboren sein
Angeborenes Vergessen
Forscher vermuten genetische Alzheimer-Ursache
Hirnforscher haben Hinweise darauf gefunden, dass die Alzheimersche Krankheit die Folge einer Hirnentwicklungsstörung ist.
"Alzheimer scheint in der Tat angeboren zu sein", erklärte Thomas Arendt vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig. Hyperploide Neuronen seien dafür verantwortlich, dass bei Alzheimer-Patienten Hirnzellen in großer Zahl absterben.

Nach Ansicht der Leipziger Wissenschaftler kann der Mensch offenbar mit einer bestimmten Zahl solcher Zellen im Gehirn umgehen und sie tolerieren. Während diese Zellen im normalen Gehirn lediglich in begrenzter Zahl vorkommen, steige ihre Anzahl aber in der vorklinischen Phase der Erkrankung sowie in der Zeit, in der erst milde Auswirkungen feststellbar sind, deutlich an. Es scheine eine Toleranzgrenze durchbrochen zu sein, erklärte Arendt: Bei den hyperploiden Neuronen sind - anders als in der gesunden Zelle - statt zweier Chromosomenpaare eine Vielzahl dieser genetischen Erbgutträger vorhanden. Wie es hieß, gibt es bei der Entwicklung von Stammzellen zu Neuronen eigentlich einen Mechanismus, der solche "falschen Bausteine" absterben lässt.

79 Prozent des Alzheimer-Risikos genetisch bedingt
Die Anfälligkeit für Alzheimer ist in der Mehrzahl der Fälle erblich bedingt. Bei der Untersuchung von 11.884 schwedischen Zwillingen über 65 Jahren seien in 79 Prozent der Fälle genetische Ursachen für das Alzheimer-Risiko gefunden worden. Umweltfaktoren können aber entscheidend dafür sein, wann jemand erkranke. Genetische Faktoren seien bei der Krankheit von "enormer Bedeutung", sagte die Psychologin Margaret Gatz von der Universität von Südkalifornien 2006. Dies bedeute allerdings nicht, dass die Umwelt keine Auswirkungen auf die Entwicklung der Demenzerkrankung habe, betonte Gatz.

Auslöser sind fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge, die die Nervenzellen schädigen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Übertragungsstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. Zwar kann die Krankheit bereits vor dem 50. Lebensjahr auftreten, ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter aber erheblich zu. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich.

Glossar
Alzheimer
"Alzheimer" ist zum geflügelten Wort für Vergesslichkeit geworden, doch tatsächlich beschreibt es eine schwere Form der Demenz.
Alzheimer im Fokus
Der Verlust des Ichs
Forscher streiten noch darüber, ob Plaques im Gehirn Ursache oder Symptom der Demenzkrankheit Alzheimer sind.
Literatur
Arendt T (2010) Selective Cell Death of Hyperploid Neurons in Alzheimer’s Disease. Am Soc Investigative Path 177: 15 - 20
Literatur
Gatz M et al (2006) Role of Genes and Environments for Explaining Alzheimer Disease. Arch Gen Psychiatry 63: 168 - 174
mehr zum Thema